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MÜßIGGANG IN BERLIN KREUZBERG | IDLENESS

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In Berlin Kreuzberg sind am Pfingstwochenende die Tage des Vergnügens angebrochen. Beim größten urbanen Festival, dass die Kulturen der Stadt feiert, wird es ausgelassen, laut und bunt. Berlin wandelt sich zu einem riesigen Raum individueller Inszenierungen, die durch die Performances zahlreicher Musiker, Künstler und Tänzer auf Umzügen und Bühnen begleitet werden.

Der Karneval der Kulturen beschränkt sich jedoch nicht auf Musik und Tanz sondern wird durch viele weitere künstlerische Projekte ergänzt, die vor allem auch im öffentlichen Raum zu finden sind. So ließ ich mich auf das Projekt #Publictale Nr. 01 “Maik, Paul und Jörg” ein, das im Rahmen der Backjumps Ausstellung des Kunstraumes Kreuzberg/ Bethanien gezeigt wurde.

Das Projekt #Publictale Nr. 01 “Maik, Paul und Jörg” ist eine von Polina Soloveichik geschriebene Kurzgeschichte, die zusammen mit den Collagen vom Künstlerduo Various & Gould die Straßen Kreuzbergs als Ausstellungsraum nutze und somit auch verzierte .

Various and Gould

Mich faszinierten die Geschichte und die Collagen, die so unglaublich spannendend in der Erzählung und Inszenierung selbst waren. Die Geschichte war auf mehrere Stationen verteilt und konnte nur im Ganzen erfasst werden, wenn man den Hinweisen zur nächsten Station durch Kreuzberg folgte. Das machte mich jedes Mal unglaublich neugierig auf das, was noch kommen sollte.

Various and Gould

Beim Spaziergang durch den Kiez  flogen meine Gedanken durch die Geschichte von Maik, Paul und Jörg und verwirbelten sich unterwegs zur nächsten Station mit den Gedanken zu meinem eigenen Leben.

Various and Gould

Es entwickelte sich eine Geschichte über Maik, Paul und Jörg in meinem Kopf, bei der am Ende ein Ausstieg aus dem Job und dem Umfeld von Jörg stehen würde, der einfach nicht mitlachen konnte.

Ich machte mich nach dem Ende der Geschichte auf dem Weg zu einem schönen Café in Kreuzberg, um dort zu frühstücken. Noch auf dem Weg dorthin dachte ich über meine Version der Geschichte nach und bemerkte wie sehr wir dazu neigen, die Dinge, die um einen herum geschehen, in einen direkten Bezug zu unseren eigenen Ideen, Gedanken und Motiven zu setzen. Obwohl oft nicht so intendiert, nehmen sie eine subjektive Färbung an, wodurch sich ihr Inhalt ändert. Etwas von uns völlig unabhängiges wird zu unserem eigenen.

Ich habe die Geschichte von Maik, Paul und Jörg mein Ende gegeben und schon während der Erzählung verändert. Ich wollte eine Geschichte mit einer Klarheit über den Auslöser meines Lebensumbruches. Ich wollte wissen, wann genau der Anfang vom Ende meines alten Lebens war. Wo zeichnete sich die Trennlinie zwischen mir und den anderen, die ein Leben in festgelegten Strukturen und Bequemen bevorzugen, ab?

Der Müßiggang in Kreuzberg mit Milchkaffee und Bildgeschichten war mir mehr Genuss als der überlaute Trubel bei den Umzügen, der meine eigenen Gedanken verschlucken würde. Beim Frühstück konnte ich jede Menge volltrunkende Menschen beobachten, die beim Vorbeiziehen ihren Spaß mit allen zur Verfügung stehenden visuellen wie akustischen Mitteln überbordend Ausdruck verliehen.

Ich musste mitlachen mit Ihnen. Denn nun verstand ich, worin die Trennung zwischen mir und den anderen seinen Anfang findet.

Kreuzberg Berlin

english

In Berlin Kreuzberg dawned on last weekend the days of pleasure. In the largest urban festival that celebrates the city cultures, it is left out, loud and colorful. Berlin turns into a huge space of individual presentations, which are accompanied by the performances of many musicians, artists and dancers in parades and stages.

However, the Carnival of Cultures is not limited to music and dance but is supplemented by many other artistic projects, which are mainly to be found in public places. So I settled on a project #Publictale No. 01 “Maik, Paul and Jörg”, which was shown as part of the Backjumps exhibition of the art space Kreuzberg / Bethanien.

The #Publictale No. 01 Project “Maik, Paul and George” is written by Polina Soloveichik. Together with the collage by the artist duo Various & Gould she used the streets of Kreuzberg as a showroom.

I was fascinated by the story and collages that were so incredible exciting. The story was distributed to several stations and could be detected only in the whole, if you followed the instructions to the next station through Kreuzberg. That made me every time incredibly curious about what will come.

While walking through the neighborhood my thoughts flew through the story of Maik, Paul and Jörg and swirled with the thoughts of my own life. It developed a story about Maik, Paul and Jörg in my mind with an end where Jörg, who couldn’t laughing about the joke, would quit his job.

After the end of the story I walked to a nice café in Kreuzberg to have breakfast there. Even on the way there I thought about my version of the story and saw how much we put the things that happen around us in a direct reference to our own ideas, thoughts and motives. Although often not as intended, they get a subjective coloring, which changes its content. Some will be completely independent of our own.

I have the story of Maik, Paul and Jörg given my end and changed already during the narrative. I wanted a story with a clear picture of the trigger of my life upheaval. I wanted to know when exactly was the beginning of the end of my old life. Where drew the line between me and the others who prefer to live in established structures and convenient, from?

My Idleness in Kreuzberg with a latte and picture stories had me more pleasure than the action at the parades, which swallows my thoughts. While breakfast I saw a lot of passing full trunked people that needed to clarify their exuberant fun with all the visual and acoustic means for other people. And I had to laugh with them. I understood where the separation between me and the other was due.

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4 thoughts on “MÜßIGGANG IN BERLIN KREUZBERG | IDLENESS

  1. Ein sehr schöner Text wieder :)
    Mich hat ja das Festival so ein bisschen abgeschreckt, da ich einmal da war und mit der Trouble zu viel war. Aber du zeigst, dass es immer auch die andere Seite gibt….die Kunst, Kultur und kleinen Schätze die man neben dem Feiern und Bier Trinken auf einem Stadtfest finden kann, wenn man möchte – Schön ! :)

    • Ich danke Dir! :)

      Ja ich hatte auch mit Gedanken über zu viel Trubel zu kämpfen und wollte erst nicht los.
      Da wunderbare war, dass man den Trubel umgehen konnte, da er sich räumlich beschränkte.
      Dadurch war alle so wunderbar leer in den Strassen und Cafés. Herrlich …

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